Eine Initiations-Geschichte

„Ich wurde schwermütig. Manchmal musste ich weinen und fühlte mich unglücklich, ohne zu wissen, warum. Aber dann, urplötzlich, änderte sich alles. Ich fühlte große, unerklärliche Freude, Freude, die so stark war, dass ich nicht anders konnte, als zu singen. Ich sang ein mächtiges Lied, in dem nur Raum für ein Wort war: Freude, Freude! Ich musste die ganze Kraft meiner Stimme aufbieten. Mitten in diesem wunderbaren und überwältigenden Taumel wurde ich ein Schaman und wusste selbst nicht, wie es geschah. Aber ich war ein Schaman. Ich sah und hörte auf vollkommen neue Art und Weise. Ich hatte die Erleuchtung erlangt, das Licht des Geistes und des Körpers. Jetzt konnte nicht nur ich durch das Dunkel des Lebens blicken, sondern dieses helle Licht strahlte auch von mir selbst aus, nicht wahrnehmbar für Menschen, aber sichtbar für die Geister der Erde, des Himmels und des Meeres, die jetzt herbei kamen um meine verbündeten Mächte zu werden.“

So schildert ein junger Inuit, der gerade Schamane geworden ist, sein Initiationserlebnis, das er während einer Wachnacht in der Wildnis hatte.

Mich hat diese alte Geschichte sehr berührt. Vielleicht, weil sie mich an das Gefühl erinnert, als ich in meinem Inneren eine Stimme, einen Ruf wahrgenommen habe, dem ich gefolgt bin und mich auf den Weg gemacht habe. Ein Weg in die Tiefe des eigenen Selbst und darüber hinaus. Ein Weg, bei dem das Leben neu gelernt wird, vertrauensvoll, hingebungsvoll, liebevoll und einfach wundervoll – im wahrsten Sinn des Wortes.